Veranstaltungen im Januar/Februar 2020 :: Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Veranstaltungen im Januar/Februar 2020

Sonntag, 05.01.2020, 14.30 Uhr
Dauer­ausstellung „Auf der Spur europäischer Zwangs­arbeit. Süd­nieder­sachsen 1939-1945“ in der BBS II, Godehard­straße 11, Göttingen

Kinder und Jugendliche in der NS-Zwangs­arbeit

Eine Führung durch die Ausstellung „Auf der Spur europäischer Zwangs­arbeit“ mit Tabea Hildebrandt (Geschichtsstudentin)

Veranstaltet von der Geschichts­werkstatt Göttingen e.V. und Dauer­ausstellung „Auf der Spur europäischer Zwangs­arbeit. Süd­nieder­sachsen 1939-1945“

Bis zu 60.000 Menschen mussten während des Zweiten Welt­kriegs in Göttingen und Umgebung Zwangs­arbeit leisten. Viele von ihnen waren noch sehr jung — einige waren Jugendliche oder sogar Kinder. In dieser thematischen Führung werden fünf dieser jungen Zwangs­arbeitenden vorgestellt. Erst zwischen fünf und 21 Jahren alt waren sie, als sie in Polen, der Sowjet­union, den Niederl­anden oder Italien von Weh­rmachts­soldaten aus ihren Heimat­dörfern entführt und nach Süd­nieder­sachsen deportiert wurden. Wie sah ihr Leben in der Zwangs­arbeit aus? Welche rassistischen Gesetze und Vor­urteile bestimmten ihre Über­lebens­chancen und Handlungs­strategien? Wie empfanden sie ihre Befreiung 1945 und welche Spiel­räume hatten sie danach, ihr Leben zu gestalten?

Mittwoch, 08.01.2020, 15.30 – 17.00 Uhr
Gemeindehaus St. Paulus, Wilhelm-Weber-Str. 15, Göttingen

Der Verein „NS-Familien-Geschichte“
Von persönlicher Spurensuche zum politischen Einmischen

Erzählcafé mit Katrin Raabe und Roland Laich

Moderation: Laura Marahrens, Freie Alten­arbeit Göttingen e.V.

Die Veranstaltung ist kostenfrei, Spenden sind herzlich willkommen!

Veranstaltet von Freie Altenarbeit Göttingen e.V.

Anfangs wollten Katrin Raabe und Roland Laich die NS-Vergangen­heit ihrer Familien ans Licht holen. Dafür recherchierten sie in Archiven, Museen, Gedenk­stätten, suchten Orte auf, in denen ihre Verwandten im 2. Weltkrieg waren, z.B. Stuttgart, Lothringen, Luxemburg, Elsass, Zentral­frankreich.

Sie lernten zahlreiche Menschen kennen, die sie mit großem Engagement unter­stützten. Ebenso trafen sie Menschen, deren Angehörige unter den Taten der Verwandten von Katrin und Roland gelitten hatten oder für deren Tod sie in der NS-Zeit verantwortlich waren. So wurde aus persönlichem Interesse ein Bildungs­projekt, das sich gegen den erschreckenden Rechtsruck einmischt.

Montag, 13.01.2020, 20.00 Uhr
Filmtheater Lumiere, Geismar Landstraße 19, Göttingen

„Der zweite Anschlag“
Dokumentarfilm

Veranstaltet von amnesty international Göttingen

Spätestens mit der Mordserie des sogenannten National­sozialistischen Unter­grunds (NSU) zeigt sich die erschreckend langatmige Kontinuität von rassistisch motivierter Gewalt in Deutschland. In diesem eindrucks­vollen Film kommen aus­schließlich Opfer bzw. Angehörige zu Wort (der Titel bezieht sich auf die Wahr­nehmung etlicher Betroffener in Bezug auf die Verdächtigungen der Polizei).

Es stehen weniger die Taten selbst, als vielmehr der Umgang der Mehr­heits­bevölkerung mit diesen Verbrechen im Mittel­punkt. DER ZWEITE ANSCHLAG dokumentiert die bisher kaum beachtete Perspektive der Betroffenen und die Sicht­weisen der migrantischen Communities.

Ein Mitglied des Filmteams steht anschließend zur Diskussion zur Verfügung.

Montag, 20.01.2020, 19.00Uhr
Dauer­ausstellung „Auf der Spur europäischer Zwangs­arbeit. Süd­nieder­sachsen 1939-1945“ in der BBS II, Godehard­straße 11, Göttingen

Lauter und mutiger — Strategien gegen den Rechts­trend in der deutschen Gesell­schaft

Vortrag und Diskussion mit Imran Ayata, Autor und Campaigner, Berlin

Die Veranstaltung ist Teil des Rahmen­programms der Ausstellung „4074 Tage — Tatorte des NSU“.

Veranstaltet von der Geschichts­werkstatt Göttingen e.V. und der Dauer­ausstellung „Auf der Spur europäischer Zwangs­arbeit. Süd­nieder­sachsen 1939-1945“ in Kooperation mit dem Haus der Kulturen Göttingen

Mit dem Einzug der AfD in den Bundes­tag und mittler­weile alle Landes­parlamente hat sich der gesell­schaftliche Diskurs nach rechts verschoben. Andere Parteien und Akteur_innen verharren im Abwehr­modus und über­nehmen Denk­muster der Rechten. Was bedeutet das für die Erinnerung an die national­sozialistischen Verbrechen und für den Kampf gegen Rassismus? Und wie können Strategien gegen diese Rechts­verschiebung aussehen?

Ein Mitglied des Filmteams steht anschließend zur Diskussion zur Verfügung.

Mittwoch, 22.01.2020, 19.30 Uhr
Filmtheater Lumiere, Geismar Landstraße 19, Göttingen

„Liza ruft!“

Filmvorführung in Anwesenheit des Regisseurs

Veranstaltet von f_act

„Liza ruft!“ ist ein bewegender und politischer Dokumentar­film über den Holo­caust, den jüdischen Widerstand und die Erinnerungs­politik in Litauen und das erste Porträt einer ehemaligen jüdischen Partisanin überhaupt. Im Gespräch mit Fania Brantsovskaya, ihren Angehörigen und Weg­gefährt*innen schafft „Liza ruft!“ das intime und lebendige Bild einer beein­druckenden Frau, die beides ist: ein Opfer von fort­währender Verfolgung ebenso wie eine unermüd­liche und streit­bare Akteurin im Kampf für Freiheit und Gerechtig­keit.

Ein Mitglied des Filmteams steht anschließend zur Diskussion zur Verfügung.

Freitag, 24.01.2020, 15.00 Uhr
KZ-Gedenk­stätte Moringen, Lange Str. 58, Moringen

Von der Demokratie zur Diktatur — Das Männer-KZ Moringen

Führung mit Hans Helms

Veranstaltet von der KZ-Gedenk­stätte Moringen

Anfang April 1933 richteten die National­sozialisten in Moringen ein KZ ein. Die Häft­linge waren Akteure aus der Arbeiter­bewegung und der politischen Linken. Viele stammten aus der Region zwischen Leine und Harz. Im Juni 1933 traten Häftlinge in einen Hunger­streik. Damit wollten sie nicht nur gegen die Bedingungen der Haft demonstrieren, sondern auch auf die Gesetzlosigkeit der Haft selbst hinweisen und zugleich ein rechts­staatliches Verfahren anmahnen. Zum Ende des Jahres 1933 wurden die Häftlinge in Polizei­aufsicht entlassen oder in andere Konzentrations­lager überstellt. Auch nach dem Ende ihrer Haft blieben viele weiter politisch aktiv und wurden entsprechend wiederholt Opfer von Verfolgung und Haft, einige auch über 1945 hinaus.

Sonntag, 26.01.2020, 17.00 Uhr
St. Paulus-Kirche, Wilhelm-Weber-Str. 15, Göttingen

Konzert des Synagogalchores Hannover zum Gedenken an die Opfer des National­sozialismus

Veranstaltet von Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammen­arbeit in Göttingen e.V.

Der Synagogalchor Hannover pflegt die europäische jüdisch-liturgische Chormusik aus der Zeit der Hoch­romantik, des späten 19. bis beginnenden 20. Jahrhunderts, in der asch­kenasischen Tradition Mittel- und Ost­europas. Er besteht seit Jahres­beginn 2018. Ein Groß­teil seiner semi­professionellen Kammer­chor­besetzung (SSAATTBB) war bis in das Jahr 2017 hinein Teil des Euro­päischen Synagogal­chores, seiner­zeit beheimatet in der hannoverschen Villa Seligmann. Der Chor, unter der musikalischen Leitung von Sören Sönksen, wird seine Zuhörer mit­nehmen auf eine musikalische Reise durch die Synagogen Europas.

Montag, 27.01.2020, 19.30 Uhr
Altes Rathaus, Markt 9, Göttingen

Katja Sturm-Schnabl. Eine Zeit­zeugin und Wisse­nschaftlerin im inte­rkulturellen Dialog

Veranstaltet vom Bündnis zum Gedenken an die Opfer des National­sozialismus

Diese Veranstaltung wird gefördert durch das Bundesprogramm Demokratie LebenDiese Veranstaltung wird gefördert durch die Partnerschaft für Demokratie der Stadt Göttingen

1942 erlebte Katja Sturm-Schnabl als Kärntner Slowenin die Deportation ihrer Familie. Damals war sie sechs Jahre alt. Es folgte eine drei­einhalb­jährige Lager­haft, die ihre Schwester nicht über­lebte. Nach dem Krieg kehrte die Familie nach Kärnten zurück. Katja Sturm-Schnabl holte die Schul­ausbildung nach, studierte Slawistik, später folgten Promotion und Habili­tation. Seit 1984 lehrte und forschte sie an der Universität Wien. Ihr Forschungs­gebiet ist die süd­slawische Literatur- und Kultur­geschichte und deren Bedeutung im Dialog von Minderheit und Mehr­heits­gesellschaft in Öster­reich.

Nach einem ein­führenden Vortrag von Frau Prof. Dr. Katja Sturm-Schnabl folgt ein Gespräch zwischen der Referentin und Dr. Dietmar Sedlaczek von der KZ-Gedenk­stätte Moringen.

Donnerstag, 30.01.2020, 15.00 Uhr
Start/Treffpunkt: Schranke Goßlerstraße / Ecke Käte-Hamburger-Weg, Göttingen

Medizin in Göttingen im National­sozialismus — Die Rolle der Hebammen

Ein Stadtteilrundgang mit Cornelia Krapp, Geschichts­werkstatt Göttingen

Veranstaltet von der Geschichts­werkstatt Göttingen e.V.

Der Rundgang über das Gelände des alten Universitäts­klinikums zwischen Goßler­straße und Humbold­tallee gibt eine Einführung in die Göttinger Klinikums­geschichte und die Entwicklung der Medizini­schen Fakultät in der NS-Zeit. Schwerpunkt­themen sind Zwangs­sterili­sationen in der Frauen­klinik, die Rolle von Hebammen in der NS-Zeit sowie Zwangs­arbeiter_innen als Patient_innen und Personal im Klinikum. Der Rundgang endet im Bereich Humboldt­allee.

Donnerstag, 30.01.2020, 18.00 Uhr
KGS Moringen, Waldweg 30, Moringen

Wir erinnern!

Veranstaltet von der KGS Moringen in Kooperation mit der KZ-Gedenk­stätte Moringen

Schüler*innen der KGS Moringen berichten über ihre Reise in die KZ-Gedenk­stätte Auschwitz im September 2019. Die Veran­staltung steht im Zeichen des Gedenkens an die ehe­maligen jüdischen Bürger*innen Moringens und an die aus Moringen nach Auschwitz depor­tierten Häft­linge des Jugend-KZ.

Sonntag, 02.02.2019, ab 14.00 Uhr
Dauer­ausstellung „Auf der Spur europäischer Zwangs­arbeit. Süd­nieder­sachsen 1939-1945“ in der BBS II, Godehard­straße 11, Göttingen

Finissage der Ausstellung „4074 Tage — Tatorte des NSU“
und Vortrag „Es ist noch lange nicht zu Ende.
Kassel nach den recht­sextremen Morden an Halit Yozgat und Walter Lübcke“

Vortrag und Diskussion mit Ayşe Güleç, Initiative 6. April, Kassel

Finissage: 14.00 bis 16.00 Uhr
Vortrag: 14.30 Uhr

Die Veranstaltung ist Teil des Rahmen­programms der Ausstellung „4074 Tage — Tatorte des NSU“.

Veranstaltet von der Geschichts­werkstatt Göttingen e.V. und der Dauer­ausstellung „Auf der Spur europäischer Zwangs­arbeit. Süd­nieder­sachsen 1939-1945“ in Kooperation mit dem Haus der Kulturen Göttingen

Auch mehr als 13 Jahre nach der Ermordung des Kasselers Halit Yozgat durch den rechts­terroristischen NSU kann und darf kein Schluss­strich gezogen werden. Zu viele Fragen sind immer noch offen: nach der Rolle des Verfassungs­schützers Andreas Temme, der am Tatort gewesen ist, nach den Akten des Verfassungs­schutzes, die noch für Jahr­zehnte gesperrt bleiben sollen, nach den Unter­stützer_innen, die der NSU in Kassel gehabt haben muss. Wie tödlich die Gefahr ist, die von der örtlichen Neonazi-Szene bis heute ausgeht, hat der Mord­anschlag auf den Kasseler Regierungs­präsidenten Walter Lübcke am 2. Juni 2019 gezeigt.